Vorräte für die Hochsaison - Zwillingslager bei Eisbär Eis

In diesen heißen Tagen hat Speiseeis wieder Hochkonjunktur. Um die kalte Köstlichkeit im Hörnchen, in der Waffel oder am Stiel jederzeit frisch und lecker anbieten zu können, ist eine minutiös geplante Logistik notwendig. Schließlich wird schon im Winter produziert, was in den warmen Monaten so heiß begehrt ist. Hersteller Eisbär Eis hat daher seine TK-Lagerfläche auf 14.000 Palettenstellplätze verdoppelt.



Rund sieben Liter industriell hergestelltes Speiseeis verzehrt der Deutsche im Schnitt pro Jahr – landesweit insgesamt fast 500 Millionen Liter. Ein klassisches Saisongeschäft: Das meiste Eis wird im Sommer abgesetzt, nur etwa jede fünfte Portion im Winter. Die Hersteller produzieren daher in der Regel in der kalten Jahreszeit vor und müssen entsprechende Lagerkapazitäten vorhalten.Auch im niedersächsischen Apensen vor den Toren Hamburgs hat die Eisbär Eis GmbH für die bevorstehende Saison schon bestens vorgesorgt. Bis zu 3.000 Paletten Eiskrem können im Zentrallager wöchentlich umgeschlagen werden; wenn es besonders heiß hergeht sogar deutlich mehr: Pro Tag werden in Spitzenzeiten im Dreischichtbetrieb über eine Million Portionen Eis produziert und ausgeliefert, der überwiegende Teil für die großen deutschen Handelsketten. Damit liegt das Familienunternehmen auf Platz Sechs in der Rangliste deutscher Speiseeishersteller. Anfang 2011 hat Eisbär seine Kapazitäten mit der Errichtung eines zweiten Tiefkühlhochregallagers verdoppelt – aufgrund des anhaltenden Wachstums fünf Jahre früher als geplant. Mit der Erweiterung um 7.000 Palettenstellplätze wurde eine Kapazität für insgesamt 14.000 Paletten geschaffen. Das entspricht gut 100 Millionen Portionen Speiseeis. 

Betriebssicherheit unter arktischen Temperaturen

Der im Januar in Betrieb genommene Zwilling des vorhandenen, 32 Meter hohen Kühllagers wurde innerhalb von nur acht Monaten errichtet, herunter gekühlt und in Betrieb genommen. Fördertechnik und Regalbediengeräte stammen von Kardex Mlog, wie schon beim ersten Bauabschnitt. Das Investitionsvolumen für die Erweiterung betrug circa 4,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Neubau des ersten Lagers lag bei rund 9 Millionen Euro. Im Schnitt ergeben sich für die gesamte Anlage moderate Gestehungskosten von circa 1.000 Euro für jeden der insgesamt 14.000 Palettenstellplätze. 

Im Inneren der Anlage herrschen Temperaturen von -28 °C – deutlich kälter als in der heimischen Tiefkühltruhe. „Nur durch die extreme Kälte können wir eine Mindesthaltbarkeit von 18 Monaten gewährleisten“, erläutert Andreas Starck, Projektleiter bei Eisbär, die arktischen Bedingungen. Im Versand  und im Bereich der Fördertechnikbrücke ist es demgegenüber mit Temperaturen zwischen 2 °C und 5 °C vergleichsweise warm.

Die Umgebungsbedingungen stellen Mensch und Material auf eine harte Probe. Den beiden MSingle Regalbediengeräten, die in den zwei neu errichteten Gassen installiert wurden, kann die Kälte indes nichts anhaben. Geräte dieses Typs kommen seit vielen Jahren im Tiefkühlbereich zum Einsatz. Kardex Mlog hat sich in diesem Bereich in vielen Projekten eine Expertise aufgebaut, die auch beim Bau der Anlage in Apensen eingeflossen ist. So erhielten die dreißig Meter hohen Geräte ab Werk speziell beheizte und isolierte Schaltschrankkabinen, um Steuerung und Elektronik gleich doppelt gegen die Kälte zu schützen. Die Bedienung erfolgt über tiefkühl- (und handschuh-) taugliche Touch-Panel. Spezialfette und Lager mit  kältefesten Eigenschaften gewährleisten darüber hinaus im Wortsinne den reibungslosen Betrieb aller beweglichen Teile. Die MSingle sind mit Teleskopgabeln für die zweifach tiefe Ein- und Auslagerung der Paletten ausgestattet, ihre Nutzlast beträgt jeweils 7,5 kN. Dass Robustheit und Performance einander nicht ausschließen müssen, beweisen schließlich die Leistungsdaten der Geräte. Die Fahrgeschwindigkeit liegt bei max. 180 m/min, die Hubgeschwindigkeit bei 50 m/min. Ohne Umlagerung lassen sich Spielzahlen von 27 Doppelspielen resp. 49  Einlagerungen je Stunde realisieren. Die frequenzgeregelten Antriebe tragen zu einem hohen Wirkungsgrad bei. Zwischenkreiskopplungen und ein intelligentes Fahrtmanagement verringern den Stromverbrauch weiter. 

Fokus Fördertechnik

Schwerpunkte setzte Kardex Mlog bei der Anbindung des neuen Lagers an die Bestandsanlage sowie die Erweiterungen und Modifikationen der vorhandenen Fördertechnik. Dadurch konnten Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der Anlage erheblich verbessert werden. Im Warenausgang wurden vier zusätzliche Plätze (drei Stellplätze, ein freier Platz) eingerichtet. Der Versand erhielt eine zusätzliche Verladeschleuse, die Versandbereitstellung, zwei weitere Verschiebewagen, wodurch sich die jeweilige Fahrtstrecke halbierte. Diese Maßnahme ermöglicht nicht nur eine entsprechend höhere Leistung, sondern auch  eine „Expressstrecke“, auf der Paletten einer Schleuse direkt - ohne Verschiebewagen- zugeführt werden können. Dies war in der früheren Konstellation nicht möglich. Sämtliche Arbeiten an den Schienen, die Umbauten der vorhandenen Verschiebewagen sowie die Integration der neuen Komponenten erfolgten in den arbeitsfreien Zeiten an Wochenenden, sodass der Betrieb nicht beeinträchtigt wurde. 

Der Umfang des Projektes lässt sich auch an der Zahl neu installierter Antriebe ablesen: Insgesamt 68 zusätzliche Motoren installierten die Spezialisten. Kardex Mlog konnte, wie im Übrigen auch die weiteren Partner, die zur Realisierung der Anlage beigetragen haben, auf die Erfahrungen aus dem vorangegangenen Neubau zurückgreifen. Bis auf eine Ausnahme waren dieselben Firmen beteiligt wie beim Vorgängerprojekt. Da verwundert es nicht, dass der Zeitplan nicht nur eingehalten, sondern sogar um einige Wochen unterboten wurde. Und auch die Befüllung ging schnell von der Hand – keine 3 Wochen nach der Inbetriebnahme war jeder Regalplatz belegt. 

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