Mit Drohnenschwärmen in die Zukunft?

Hartmut Schaffroth, Leiter Konstruktion und Fertigung erläutert im Interview das Potenzial von Drohnen in der Intralogistik.



 

Drohnen gelten in vielen Branchen als die Zukunftstechnologie schlechthin, mittlerweile auch in der Intralogistik – Ist das noch Hype oder schon Realität, wo steht die Branche bei diesem wichtigen Thema?
 

 

Hartmut Schaffroth: Die Drohnentechnologie kommt für viele mit dem Versprechen, logistische und fertigungstechnische Prozesse zu revolutionieren. Tatsächlich kann die einzelne Drohne extrem schnell agieren und beispielsweise den Nachschub in der hochflexiblen Fertigung vollautomatisch und bedarfsgerecht sichern. Und die Möglichkeiten intelligenter Drohnenschwärme sind ja heute bei weitem noch nicht ausgelotet. Aber unsere Erfahrung zeigt: Jede Technologie hat ihre Stärken und Schwächen. Deswegen können Drohnen eine überaus sinnvolle Ergänzung konventioneller Transporttechnologien sein, werden diese jedoch niemals vollständig ablösen. Die Zukunft gehört hybriden Systemen, in denen sie eine mehr oder weniger große Rolle spielen können, aber nicht müssen. Und selbst bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

 

 

Was spricht denn aus heutiger Sicht gegen den Einsatz von Drohnen im Materialfluss, wo liegen die größten Hemmnisse?

Geschwindigkeit, Akkulaufzeit und Transportkapazität sind sicher noch nicht bis zum Optimum ausgereizt, aber das ist nur die technische Seite. Fast noch schwerer wiegen die weitgehend ungeklärten rechtlichen Rahmenbedingungen, Sicherheits- und Haftungsfragen und der Arbeitsschutz. Wenn Drohnen über die Köpfe von Mitarbeitern fliegen, muss sauber geregelt werden, wie Unfälle vermieden und Personen im Falle eines Fehlers geschützt werden können. Vor diesem Hintergrund sind Drohneneinsätze in mannlosen Fertigungen viel eher denkbar.

 


Kardex Mlog hat bereits zahlreiche integrierte Materialflusslösungen mit innovativen Transportsystemen  wie fahrerlosen Fahrzeugen realisiert. Lassen sich diese Erfahrungen auf die Einbindung von Drohnen übertragen und inwieweit beziehen Sie die Technologie heute schon in die Planung mit ein?
 

 

Grundsätzlich halte ich es für möglich und zielführend, FTS und Drohnen zu kombinieren, um optimale Transportzeiten und hohe Flexibilität sicherzustellen, auch wenn heute noch einige Entwicklungsschritte, wesentliche Regularien und Vorgaben fehlen. Darum ist es wichtig, dass man sich spätere Optionen nicht im wahrsten Sinne des Wortes verbaut – Stichwort Zukunftssicherheit.

Ich denke zwar nicht, dass der Einsatz von Drohnen das eigentliche Kleinteilelager oder die Kommissionierung grundlegend verändert. Aber die Transportwege und -verfahren vom Lager zum Kommissionierplatz werden sich weiterentwickeln. Das heißt unter anderem, dass die erforderlichen Korridore und Freiräume vorhanden sein müssen, um Drohnentransportstrecken dort abbilden zu können, wo es sinnvoll ist. Und das ist eher der Kleinteilebereich mit leichteren Lasten. Geht es aber um schwerere Paletten und Ladungsträger von über 1.000 Kilo, werden leistungsstarke Transportplattformen wie der MMove den Drohnen auf lange Sicht überlegen bleiben.

 

Das Video-Interview mit Hartmut Schaffroth kann hier angesehen werden:

 

 

 

 

 
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